ein drahtiges vergnügen
 
eines tages hat es den büroangestellten kratochvil unversehens in die natur verschlagen. er weiß nicht, wie ihm geschah. nichts als bäume umgeben ihn, aber weit und breit keine menschen und schon gar keine fabriken. das beunruhigt den erklärten 'befürworter der zivilisation' zutiefst. und beunruhigend ist auch seine neue geschichte, die das basler figurentheater vagabu im theater stadelhofen zur saisoneröffnung zeigt. 'kratochvil - eine panische reise' erzählt mit feinem. bisweilen beißendem humor von der langeweile, den ängsten und visionen, die den zivilisationsgeschädigten antihelden in der entfremdeten natur heimsuchen.
   als vorlage zu diesem einstündigen figurentheater für erwachsene diente die cartoon-serie 'kratochvil' des österreichischen zeichners nicolas mahler, die ursprünglich als tagesstrip in der 'faz' und 2003 als buch bei der 'edition moderne' erschienen ist. mahler, der mit schlichtem, schwarzem strich zeichnet, ist ein meister lakonischer und dabei nie aufdringlicher pointen. von dieser reduktionistischen ästhetik hat sich das figurentheater vagabu in der regie von marc feld bei der umsetzung ins dreidimensional-bewegte leiten lassen. in bedächtigem tempo erzählt pierre cleitman die episodenfolge nahezu im originaltext und begleitet auf dem akkordeon, während christian schuppli und philippe minella mit den aus drahtgeflechten geschaffenen objekten hantieren. oft finden sie kongeniale umsetzungen der zeichnerischen vorlage und nutzen ihr sichtbares agieren als zusätzliche erzählebene. ihr prägnantes schwarz-weiß-theater mit seinen abgründigen zwichentönen macht schmunzeln und klingt noch nach, auch lange nachdem kratochvil wieder beruhigt an seinen arbeitsplatz zurückgefunden hat.

marlene halter, neue zürcher zeitung